Marterbauers Krebserkrankung und die Grenzen des Boulevards
Shownotes
In diesem Kommentar geht es um: - Markus Marterbauers öffentlich gemachte Krebserkrankung und seinen Wunsch nach einem fairen, respektvollen Umgang damit. - Die Kritik des TV21-Chefredakteurs an der Darstellung Marterbauers als möglichem Retter der SPÖ in „Fellner Live“. - Die Grenze zwischen legitimen Fragen zu Amtsbelastung und Parteiführung und der politischen Instrumentalisierung einer Erkrankung. - Journalistische Verantwortung für Wahrheit und Menschenwürde – auch im Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Reichweite.Transkript anzeigen
00:00:00: Liebe Hörerinnen und Hörern, ich bin Robert E. Part, Chefredakteur von TV-Einundzwanzig Und heute möchte ich über etwas sprechen das mich wirklich beschäftigt.
00:00:14: Es geht nicht um eine normale politische Kontroverse.
00:00:18: es geht um eine Grenze und um die Frage ob ein Boulevard Medium diese Grenze überschritten hat.
00:00:24: Im Zentrum steht Finanzminister Markus Marterbauer, ein Mann der öffentlich gemacht hat das er an Krebs erkrankt ist, der eine Therapie begonnen hat und trotzdem im Amt bleiben möchte.
00:00:34: Er hat selbst darum gebeten mit seiner Erkrankung offen aber fair und respektvoll umzugehen.
00:00:40: Und was passiert?
00:00:41: ausgerechnet in einer Situation in der Menschlichkeit selbstverständlich sein müsste wird seine Krankheit in einen politischen Machtkampf hineingezogen.
00:00:50: In Felner Live wurde in einem aus den USA ein gespielten Kommentar über das sogenannte SPÖ-Chaos gesprochen, über den Rückzug von Andreas Babler und über Markus Martabauer als möglichen Retter der Sozialdemokratie.
00:01:04: Retter?
00:01:05: Ich habe mir das zweimal angehört!
00:01:07: Ein Mann, der gerade eine Krebsbehandlung durchläuft soll jetzt die Partei retten.
00:01:11: Für mich ist das keine politische Analyse.
00:01:14: Das ist eine zynische Dramaturgie, damit wir uns richtig verstehen – natürlich darf man die SPÖ kritisieren!
00:01:20: Natürlich darf man fragen wer nach Babler die Führung übernimmt wie die Regierung weiterarbeitet und ob Marterbauer das Vizekanzleramt übernehmen soll?
00:01:29: Das ist legitime Politikberichterstattung und die machen wir bei TVN onzwanzig auch.
00:01:34: aber es gibt einen entscheidenden Unterschied Politische Entscheidungen kritisieren, man darf aber nicht die private Erkrankung eines Menschen zum politischen Kalkül machen.
00:01:45: Man darf über die Belastung eines Amtes sprechen – man darf Aber NICHT einen Krebspatienten zum Symbol zur Figur oder zum Druckmittel in einem internen Machtkampf degradieren!
00:01:56: Was hier passiert ist, halte ich für mehr als geschmacklos.
00:02:00: Ich halte es für journalistisch verwerflich.
00:02:02: Ich kenne die Mechanik.
00:02:04: Boulevard lebt von Zuspitzung Chaos, Showdown, Absturz, Retter, Machtspiel.
00:02:10: Solche Wörter verkaufen sich – sie erzeugen Aufmerksamkeit, Emotionen, Klicks.
00:02:14: Aber wenn ein Mensch schwer krank ist dann braucht es keine Dramaturgie Dann braucht es Respekt.
00:02:20: Eine Erkrankung ist keine Verzierungen für eine Geschichte Sie isst keine Kulisse für Machtfragen und sie ist ganz sicher kein Material um einer Partei Vorwürfe zu machen oder einen Minister unter zusätzlichen Druck zu setzen.
00:02:33: Man kann über die SPÖ lästern Man kann über Führungsschwächen, Personalfragen und strategische Fehler diskutieren.
00:02:39: Das ist Demokratie – das soll auch so bleiben!
00:02:42: Aber wenn ein Medium aus der Krebserkrankung eines Politikers eine politische Erzählung macht, wenn es suggeriert «ein kranker müsse jetzt die Partei retten», dann verletzt das das journalistische Ethos.
00:02:53: Dann ist das keine Berichterstattung mehr, dann ist es Ausbeutung.
00:02:57: Dann wird das Leid eines Menschen zum Rohstoff für
00:02:59: Reichweite.".
00:03:00: Als Journalist sage ich »Wir haben eine Verantwortung« Nicht nur gegenüber der Wahrheit, sondern auch gegenüber der Würde.
00:03:08: Wer über Kranke berichtet muss besonders vorsichtig sein – denn Worte können verletzen, stigmatisieren und Menschen in eine Rolle drängen die sie nie gewählt haben.
00:03:17: Markus Marterbauer ist kein Retter!
00:03:20: Er ist keine Schachfigur.
00:03:22: Er isst kein Beweistück in einem SPÖ-Streit.
00:03:26: und derzeit ein Krebspatient.
00:03:28: Vielleicht sollte man sich in manchen Medienhäusern einmal eine ganz einfache Frage stellen, möchte ich mein Publikum informieren oder möchte ich es nur aufheizen?
00:03:37: Wenn die ehrliche Antwort aufhezen lautet dann ist das kein Journalismus mehr!
00:03:42: Dann ist das Boulevardtheater auf Kosten eines kranken Menschen – und dafür gibt es für mich nur ein Wort verwerflich.
00:03:48: Ich bin Robert Eephardt.
00:03:49: Das war der TV-Einundzwanzig Podcast.
00:03:52: Danke fürs Zuhören Und passen Sie gut auf sich
00:03:55: auf.
00:03:56: Das war TV-Einzwanzig Gespräche.
00:03:59: Alle Folgen zum Hören und Sehen auf tv-einundzwanzich.at.
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